Claudias Gutenachtgeschichte

Träumend sah sie den Schneeflocken zu, die vom Himmel herab tanzten. Jede anders wie die andere. So einzigartig wie die Menschen auf dieser Erde, es gab zwar auch Flöckchen, die sich ähnelten doch wenn man ganz genau hinsah, bemerkte man den Unterschied, fein aber vorhanden. Plötzlich stupste sie eine feuchte Hundenase an. “Madira!“, lachte sie und erinnerte sich daran mit dem Hund noch spazieren zu gehen. Da sie immer mit ihrer guten Kollegin Sky laufen ging, schickte sie ihr eine Sms. Aber jetzt mal zu ihr: Sie ist ein Mensch der viel nachdenkt und meistens erst dann entscheidet, es gibt aber auch die Momente wenn es spontan sein musste, dann nahm sie den Weg, der sich am besten anfühlte. Sie mochte es nicht wenn ihr Herz die Oberhand hatte, dann war immer alles so kompliziert, wenn der Verstand das Sagen hatte, dann lief es in ihr wenigstens relativ geordnet ab. Der Musikgeschmack sagt sehr viel über einen Menschen aus. Aber da gab es ja noch die Möchtegerns. Ihre Kollegin verstand sie in vielen ihrer Hinsichten, auch wenn sie dennoch nicht alles befürwortete. Endlich vibrierte das Handy, mit dem Vorschlag um halb Sieben bei der Weide sich zu treffen. Sky ist ein Mädchen das ständig plapperte, auch mit Hand und Fuss. Doch es war grösstenteils interessant und amüsant, aber wie überall gab es die ernsten und traurigen Themen. Maya, das war sie, wurde mit einer stürmischen Umarmung von Sky begrüsst. Sky erzählte immer etwas und Maya hörte aufmerksam zu, wie immer. Sky suchte meistens Rat bei Maya, denn ihr fielen Zusammenhänge auf, welche sonst niemanden aufgefallen wären. Doch heute war es anders, Maya schwärmte die ganze Zeit von ach, so schwarzen Augen und dem engelsgleichen Lachen. Sky lächelte wissend, Sie kannte Maya seit dem Kindergarten. Wenn Maya verliebt war, gab es immer zwei Möglichkeiten: Kein Mensch wusste, dass sie verliebt war, und erst recht nicht in wen oder sie schwärmte drei Tage oder höchstens zwei Wochen  von dem Typen dann war wieder Game over!!! Der Verstand hatte wieder das Ruder in der Hand und das Herz wurde festgekettet im  Verlies der Verdrängnis. Wieso sie das machte, war Sky  nicht ganz klar, aber sie vertraute darauf auch das irgendwann herauszufinden. Mit Maya war das so, je mehr sie einer Person vertraute, desto mehr wusste die. Aber keine Einzige Person wusste alles, total alles! Nicht mal Maya selbst auch sie war sich noch am finden. Glitzernd machte sich der Tau auf dem Bänkchen bemerkbar. Sie setzten sich trotzdem darauf. Sky streifte ihre Handyuhr und meinte belustigt:“ Wow, neuer Rekord! Du hast jetzt ganze zwei Stunden durch gequasselt!“ Maya grinste nur als Antwort. Das nahm Sky zur Erlaubnis von ihrer Woche zu erzählen.

 

Glücklich kuschelte sie sich wieder in ihr Bett und hörte Musik. Die Welt ist manchmal sehr  kompliziert, oder einfach ausgedrückt; Herz gegen Vernunft, Abstrakt gegen Konkret aber auch da gibt es Überschneidungen. Nichts ist wirklich sicher, Was ist schon Richtig oder Falsch? Wenn man die Sicht wechselt ist es auch wieder anders. Wer zur Hölle also hat das erfunden, erdacht oder festgelegt?! „Maya, wenn du so laut Musik hörst wirst du spätestens mit 30 taub!!“, meckerte ihre Mutter und drehte dabei leiser. „Dann hab ich ja noch n’ paar Jahre Zeit.“, lächelte Maya und nahm ihre Mutter in den Arm. Wie jedes Mal stürmte der kleine Teufel, ihre kleine Schwester Rana ins Zimmer und lockte die Mutter mit einer fadenscheinigen Ausrede weg von ihrer grossen Schwester. Typisch dachte sich Maya. „Seit Vater, Nein!“, daran mochte sie jetzt nicht denken und die Erinnerungen konnten ihr auch gestohlen bleiben. „We were one, we were all, we were the only Future full of hope, nothing could stand in our way, But dreams can change, visions fall, I feel so lonely, I would walk through fire for just one more day“, sang der  Sänger von Hammerfall und Maya stimmte ihm zu. Ein Blick auf die Uhr bestätigte die Ursache ihrer Müdigkeit und sie ging schlafen. Vom Anfang Riff der E-Gitarre „That’s the Way I wanna Rock n’ Roll“ geweckt, blieb Maya wie immer noch eine halbe Stunde liegen. Fuck! Schon wieder Dienstag, naja dafür sehe ich heute Kate probierte sie sich selber zu motivieren. Doch, schon um Zehn war die Motivation dahin und sie überlegte sich, die Schule zu schwänzen, wieder einmal. Sie wog gerade die Vorteile gegen die Nachteile ab, als ER auf sie zu schlenderte. Sein Lächeln lähmte sie augenblicklich. Nicht mal rot konnte sie werden. Sein Lächeln erlosch und in seinem freundlichen Blick sah man die Enttäuschung aufblitzen. Als endlich kein Blickkontakt mehr vorhanden war, wurde ihr heiss und kalt zugleich; „Fuck! Scheisse verdammte!  Wieso zur Hölle schaff ich es nicht mal ihn anzulächeln?! Was ist bitte so schwer daran?!“ schalte sie sich selber. „Würde das Fräulein Merano vielleicht  auch wieder in ihre Klasse zurück gehen?“, fragte sie die Pausenaufsicht. Zur Probe ob sie es vielleicht verlernt hatte, lächelte sie die Aufsicht an und nickte. Als ihr zurück gelächelt wurde, befand sie, dass ihr  Lächeln durchaus brauchbar war und betrat den Klassenraum. Die restlichen zwei Lektionen träumte sie natürlich von IHM. Als sein Gesicht ihr Französischbuch zierte und sie sich gerade an die Buntstifte machen wollte, hörte sie von links ein erstauntes:„Wow!“. Als sie aufblickte, sah sie direkt in die Augen ihrer Lehrerin. Als sie sich wieder gefasst hatte, blickte sie mich wissend an, und meinte zwinkernd:“ Wenn du so Französisch sprechen könntest, wie Zeichnen dann wäre das ein Traum!“. Errötet schlug Maya die Augen nieder. Am Nachmittag beschloss sie endgültig zu schwänzen um Kate zu besuchen. Dummerweise zog Kate vor drei Jahren weg. Ab da ging es mit ihrem Leben bergab. Die Realität bezog immer mehr Bereiche davon. Früher war es doch völlig klar Mama und Papa sind unsterblich, die können alles und wissen alles. Dann kommt die Zeit in der du merkst, sie sind auch nur Menschen und machen Fehler wie du und ich. Direkt anhängend die Zeit in der du mit Ihnen und dir selbst überfordert bist und sie gleichzeitig mit dir. Denn aus dem ach so süssem Engel ist in kurzer Zeit eine Tochter geworden, in der sich ein Dämon häuslich eingerichtet hatte. Die meisten Eltern erkennen ihre Kinder in dieser Zeit nicht wieder. „Mayaaa...!“, schallte der Ruf durch die laute Musik aus ihren Kopfhörern, schnell drehte sie sich um und rannte Kate entgegen. Als sie aufeinander trafen, fielen sie um und blieben lachend an einander geklammert liegen. Die Zeit verging wie im Fluge. Viel zu schnell mussten sie sich wieder trennen. Maya besetzte im Zug ein ganzes Abteil, sie musste nur böse schauen und Niemand wollte sich zu ihr setzen. Sie genoss es sich auszustrecken, Musik zu hören und die Augen zu zumachen. Ihre Gedanken schweiften wieder zurück an den hammer Nachmittag. Sie quatschten und lachten die ganze Zeit.. wobei nicht die ganze Zeit..als Kate bei einer alten Eiche vorbeiging, brach sie plötzlich in Tränen aus. Geschockt nahm Maya sie in den Arm und fragte was los war. Stockend erzählte Kate, dass sie zwar noch immer mit Micha zusammen war, ihn aber nicht mehr liebe. Das schon seit mindestens zwei Wochen. Auf Mayas Frage, ob sie  das denn fair finde von ihr, konnte sie nicht recht antworten. Da wurde Maya aus ihren Gedanken gerissen. Verblüfft schaut sie auf eine schwarze Uniform… hmmm vielleicht hatte die ja auch ein Gesicht.. ihr Blick wanderte nach oben..Bingo! Schon ziemlich genervt fragte sie der Kondukteur anscheinend zum dritten Mal ob er ihre Fahrkarte sehen könne. Sie nickte und zeigte sie ihm entschuldigend lächelnd. Als er weg war, beschäftigte sie sich wieder mit ihrer Gewissensfrage; Sollte sie Kate so weiter machen lassen ? Nein! Okay, das war klar. Jetzt gab es nur zwei Möglichkeiten : 1. Sie brachte Kate dazu Micha reinen Wein einzuschenken oder sie, Maya, erklärte Micha über den Beziehungsstand auf! Schliesslich war er auch ein guter Kolleg von ihr. Entschlossen schrieb Maya das ganze in drei Smsen an Kate. Kurz überlegte sie, ob ihr Handy ausschalten soll, entschied sich aber dagegen. Vor lauter Nachdenken fuhr sie fast an ihrer Haltestelle vorbei. Kurz vor Zehn steckte sie ihren Schlüssel ins Loch und schloss auf. Leise war es im Haus, gespenstische leise, mit einem unguten Gefühl ging sie in die Küche. Da sass ihre Mutter rauchend, zusammengesunken auf dem Stuhl und schaut sie mit hoffnungslosen Augen an . Das schlechte Gefühl vergrösserte sich. „Hallo, Mama!“, krächzte sie und bekam keine Antwort. Sie stand im Türrahmen wie bestellt und nicht abgeholt. „Kind, glaubst du eigentlich für mich wäre es einfach? Zwei Kinder allein grosszuziehen? Dazu Geld zu verdienen? Du könntest es doch mir wenigstens damit danken, dass du zur Schule gehst und einen guten Abschluss bekommst! Ewig kann ich nicht für dich da sein! Ich weiss es hat dich schwer getroffen wegen Vaters Unfall. Aber verdammt, das hat es mich auch!! Schmeiss ich mein ganzes Leben dafür weg? Nein! Was denkst du würde Vater zu dir sagen, sowie du dich verhältst ?!“, brach es aus ihrer Mutter heraus. Schockiert sah das Mädchen sie an, nie hatte sie ihre Mutter weinen sehen, auch nicht an der Beerdigung von Vater. Jetzt rannen ihr die Tränen nur noch so herab. Als sich ihre Mutter wieder gefasst hatte, stellte sie ihr das Ultimatum einer Verzweifelten; wenn ihre Tochter  in der Schule nicht wieder aktiv werde, die Hausaufgaben mache, und nicht schwänze, könne sie hier bleiben, bei dem Teil was von ihrer Familie noch übrig ist, ansonsten sollte Maya  zu einer Pflegefamilie. Wie vom Schlag getroffen, stand sie da, nickte einmal kurz und zog den Rückzug an, als sie bei der Treppe war, tropften Maya die Tränen auf den Boden und sie rannte in ihr Zimmer. Sie konnte es nicht fassen, ausgerechnet ihre Mutter wollte sie wegschicken. Das wäre alles nicht passiert, wenn nicht…. schoss ihr der Gedanke durch den Kopf, sie war so fertig davon, dass sie nicht einmal die Kraft besass ihn zu Ende zu führen. Tief kuschelte sie sich in die Bettdecke und weinte sich in den Schlaf. Seit langem träumte sie wieder einmal. Überall schwarz angezogene Menschen, fassungslose und geschockte Gesichter blickten ihr entgegen. Es war nebelverhangen und so war der Friedhof noch viel grusliger. Jetzt standen alle um eine ausgehobene Grube und ein Pfarrer sprach: “So nehmen wir Abschied von einem liebgewonnenen Menschen und einen fantastischen Vater und gütigen Ehemann.“ Da wurde sie von einem schwarzen Strudel in die Mitte gesogen, immer schneller, als sie kopfüber dahin schoss fing sie an zu schreien kurz bevor sie auf dem Steinboden aufschlug, wachte sie auf. Keuchend setzte sie sich auf. Ihr Radiowecker ging plötzlich an und schmerzverzerrt sang eine Frau. „Gone forever, but I had even so much to say, but yet it’s too late, I miss you! “ Da brach die Welle der Verzweiflung und der Trauer über ihr zusammen, alles was sie von weg geschoben hatte, ignoriert, verdrängen wollte.. war auf einen Schlag wieder da. Wütend über sich selbst schlug sie die Faust gegen die Wand, immer und immer wieder bis ihr eine warme Flüssigkeit über die Hand lief. Da erst fühlte sie den Schmerz. „Na okay, endlich“, dachte sie, “Ich lebe noch!“ Sie verbiss sich die Schluchzer und torkelte ins Bad Als sie sich die Hände wusch, blickte sie aus Gewohnheit in den Spiegel, vor lauter Schreck sprang sie ein Schritt zurück; Bleich wie eine Leiche mit schwarzen Augenringen, verzausten Haaren. Wie ein Zombie dachte sich Maya. Sie trocknete sich die Hände und fiel wieder ins Bett, total geschafft schlief sie ein, Himmel sei Dank diesmal ohne zu träumen. Als sie sie die Augen aufschlug war schon Mitte Nachmittag. Da bemerkte sie, dass ihre rechte Hand eingebunden  und ihr Bett neu bezogen war. Sie stand auf, sammelte ihre frischen Kleider zusammen und ging duschen, Erneuter Blick in den Spiegel, Ergebnis schon ansehnlicher, immer noch ein bisschen bleich aber irgendwie gesünder. Statt ihren schwarzen Kajal suchte sie ihren grauen heraus und umrandete ihre schönen Mandelaugen. Es gab einen schönen Kontrast mit ihren grünen Augen mit goldenen Sprenkeln. Plötzlich verspürte sie grossen Hunger und stieg die Treppe hinunter und ging in die Küche. Als sie gerade den Kühlschrankinhalt inspizierte, kam ihre Mutter hinein. „Guten Morgen, ich hab dich schlafen lassen. Aber Morgen gehst du wieder in die Schule. Wir versuchen es noch einmal okay ? Aber bitte, verletze dich nicht mehr selber!!“ Maya warf sich in die Armen ihrer Mutter, und versprach ihr alles. Dann setzten sie sich gemeinsam an den Frühstückstisch und assen das erwärmte Mittagsessen. „Mama, ich glaube, ich bin jetzt bereit um alles zu erfahren über den Tod von Vater!“ und schaute nervös ihre Mutter an. Die nickte und meinte sie würde alles erfahren wenn sie ein Monat lang die Maya von Früher war, die vor dem Tod, die Maya die lebensfroh, gut in der Schule und stets anständig gewesen war. Ich nickte und stimmte zu. Ich half den Tisch abzuräumen und liess die Spülmaschine laufen. Danach ging ich in mein Zimmer und räumte auf. Zuerst stapelte ich alle Schulsachen aufeinander, da fiel mir mein altes Allerleiheft in die Hände, voll beschrieben mit Edding, übermalt und nur wir zwei wussten was dort stand, Kate fing mir an zu fehlen. Schnell legte ich es weg aber die Tränen waren schon da. Es war alles auf einmal gekommen;  der Tod vom Vater, der Wegzug von Kate und die Frage Warum gerade ihr ?! Sie stellte ihre Anlage lauter und die E-Gitarren schnitte die Luft entzwei. Jetzt widmete sie sich der Wäsche, schwarz auf schwarz, weiss zu weiss und die Buntwäsche. Ganze sieben Wäschekörbe bis obenhin voll! Ihre Mutter lächelte sie in der Waschküche an und bot ihr an zu waschen und zu bügeln, wenn ich mein Zimmer weiter aufräumte. Als sie zurück in ihr Zimmer kam, sah es schon viel besser aus. Nach einem prüfendem Blick holte sie in der Küche den 50 l Müllsack und fing an den ganzen Müll einzusammeln. Der Sack brachte man gerade noch so zu. Jetzt lagen nur noch Kleinigkeiten am Boden welche alle an den angestammten Platz wollten. Ihr fiel das Foto von dem letzten gemeinsamen Familienurlaub in die Hand, lächelnd stellte sie es auf den Nachttisch, küsste es und flüsterte:“ Ich werde mich benehmen ab jetzt, und dir keine Schande mehr machen, Verzeih mir! „ Die kleine Schwester schob den Staubsauger ins Zimmer und meinte: “Also, Staubsauger das ist Maya, ja genau, die die dich solange nicht mehr benutzt hat!“, lachend übergab sie ihn ihr. Als Maya zurücklächelte, schluckte sie einmal leer und sagte mir dass sie ihr Lächeln schon vergessen geglaubt habe. Wow, mein Teppich ist ja eigentlich beige, war erste Gedanke als sie fertig war. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass es Acht Uhr war. Als ich zum Abendbrot ins Esszimmer kam war schon alles gedeckt. „Ich hab Spaghetti Napoli für dich gekocht. Dein Lieblinsessen!“, strahlte meine Mutter und sie bedankte sich artig. Das Essen verlief fast wie früher, ausser das ein kehliges Lachen fehlte. Um Morgen auch fit für die Schule zu sein, ging sie schon um Zehn schlafen. Sie schlief wie ein Stein. In ihren Träumen rauschte das Meer und es war Vollmond. Beschützend lagen SEINE Arme um sie und verliebt schaute sie in seine Augen. ER beugte sich zu ihr herab um sie zu küssen. Kurz bevor ihre Lippen sich berührten, ging der Wecker. Genervt schaltete Maya ihn aus und stand unter die Dusche.

 

 Seit  langem zog sie wieder mal ein rotes T‑Shirt an und dunkle graue Jeans doch der schwarze Nietengürtel blieb ein Muss! Alles in den Rucksack gepackt und Gefrühstückt stieg sie in den Schulbus. Der Busfahrer begrüsste sie verdattert und sie wünschte ihm auch einen Guten Morgen. Die Klasse war nicht minder überrascht als sie das Klassenzimmer betrat, sie setzte sich neben Kim, die sie freudig umarmte und sich sofort anbot mit ihr den ganzen Schulstoff aufzuarbeiten,  so dass sie zusammen in die nächste Klasse kommen würden. Auf die Frage ob sie immer noch die gleiche Handynummer habe, stürzte Maya zu ihrer Jacke und schaute seit drei Tagen das erste Mal wieder drauf. 32 neue Nachrichten! Shit, dachte sie und las alle durch. Die meisten waren von Kate, sie hat nach langem hin und her, mit Micha Schlussgemacht und war jetzt total wütend auf Maya. Von Micha war auch ein Sms dabei, er bedankte sich und meinte dass sie sich jetzt nicht mehr so oft sehen würden weil sie ihn zu fest an Kate erinnern würde. Sie versuchte drei Mal Kate zu erreichen wurde jedoch jedes Mal weggedrückt. Okay, dann halt nicht und kämpfte wiedermal mit den Tränen. Sollte die enge, langjährige Freundschaft so enden? Wegen eines Typen ? Was zur Hölle war hier los? Im Kindergarten fand man Jungs doch einfach mal generell doof!  Wie konnte man Autos nur einer Barbie vorziehen? Es war so viel einfacher, als man sie noch für unbrauchbar und viel zu kindisch abstempeln konnte? Die Kriege, die man mit den Jungs hatte im Wald, Tannenzapfen als Munition, ein Schwall Blätter als Ablenkungsmanöver, die Geiselnahme des Gegners, die Gefängnisse mit ihren Aufpassern und am Schluss die Kindergärtnerin  als Vermittlerin zwischen den Fronten. Der Friedensvertrag durch Handschütteln und Entschuldigen sozusagen unterschrieben. Das waren noch Zeiten. Da gab es noch Gut oder Böse und kein Grauzone. Ein klares Ja oder Nein ohne vielleicht. Manchmal lohnt es sich einfach nicht erwachsen zu werden! Wenn wird nur endlich die Zeitmaschine erfunden, welche auch wirklich funktioniert. Man könnte so viele Fehler wieder gut machen, jedoch auch wieder andere Konsequenzen ermöglichen. Je erwachsener man wird desto mehr Konsequenzen kann man abschätzen, predigen die Grosseltern, aber was sie uns verschweigen; man kann immer noch eiskalt erwischt werden, weil das Schicksal sich nicht steuern lässt nur bei kleinen Sachen kann man es beeinflussen. Irgendwie war sie nach Hause gekommen. Wie in Trance lief sie die Treppe hoch und ging schlafen. Am nächsten Morgen schreckte sie kurz auf und dachte, sie wäre zu spät für die Schule bis sie begriff, dass Samstag war. Sie streckte sich und stand auf. Nach dem langem Duschen wachte sie langsam auf. Als plötzlich Kim vor ihr stand und sie zum Shoppen in die Stadt überredete. Nach drei Läden lachten beide schon so fest das sie Bauchweh hatten. Gerade als sie in den Supermarkt einbogen kam ER auf sie zu. Schüchtern lächelte ER Maya an welche darauf rot anlief. Kim umarmte sie und flüsterte: „ So, so den Alessandro oh jöö!! Ich glaub der mag dich auch!“.  Maya wehrte ab und meinte, dass so ein Junge gar nicht auf sie stehen könne. Sie holten sich beide einen Kaffe und Kim quetschte Maya über Alessandro aus. Ich bekam selber Hoffnung als ich Kim so reden hörte und wir schmiedeten uns einen Plan um ihm ein Date abzuluchsen. Als die Kirchenturmuhr sieben Uhr schlug, machten sie sich auf den Heimweg. Ein kurzes Telefonat mit meiner Mutter und Kim durfte bei  mir übernachten. Unsere Themas waren Jungs, Make up und andere Mädchen. Ich wurde auf den neusten Stand gesetzt. So einiges hatte sich verändert, Beziehungen begannen und zerbrachen ohne dass sie es mitbekam, neue Schüler an der Schule doch sie wusste es nicht. „So komm, schreib ihn im Facebook mal an!“, forderte mich Kim auf. Leise gestand ich, dass ich mich noch nicht getraut hatte, ihm eine Freundschaftsanfrage zu schicken. Belustigt blickte sie mich an und nahm mich in Arm. Dann machen wir das jetzt gemeinsam okay? fragte sie, ich nickte ergeben und startete mein Laptop. Getan! Schoss mir durch den Kopf. Erleichtert schlief ich ein. Am Morgen weckte sie die Sonne welche ihr direkt ins Gesicht schien, blinzelnd setzte Maya sich auf. Na gut geträumt?  Fragte ihre Freundin sie als Maya rot wurde war es Antwort genug. Nach dem ausgiebigen Frühstück schaltete sie ihr Laptop ein weiters Mal ein und checkte ihre Facebookbenachrichtigungen. Da, er hatte zurückgeschrieben, mit einer ziemlich langen Antwort für einen Jungen. Er hatte ihr seine Email und Handynummer gesendet. Überglücklich speicherte sie beides und wie es der Zufall so wollte, war er gerade on im MSN. Alessandro schrieb sie direkt an als er angenommen wurde. Nervös antwortete sie ihrem Traumjungen. Nach zwei Stunden chatten hatten sie ein mit ihm! Glücklich hüpfte sie im Zimmer herum und sang aus voller Kehle alle Lieder die ihr gerade nach liefen. Am meisten sang sie „Hearts on fire“ und rockte ab sobald sie die Hammerfall CD gefunden und in den CDPlayer gepackt hatte. Als plötzlich Sky vor ihr stand sie knuddelte  und sie lachend fragte was denn los sei. Grinste sie nur und fing an zu erzählen. Sky hüpfte dann mit ihr zur Musik. Als sie erschöpft auf ihr Bett sanken. Sie fantasierten gemeinsam wie früher und Maya war so happy wie schon lange nicht mehr. Von einem Geistesblitz gepackt, sprang  Sky auf und riss Mayas Kleiderschrank auf und fragte, was sie anziehen wolle. Sie entschieden sich für ein schwarzes Sweatshirt mit Anarchiezeichen und ein Jeansrock mit schwarzen, blickdichten Strümpfen. Sie nahm die silbrigen Kreolen heraus und dann probierten sie Schminkvarianten aus. Am besten sah natürlich geschminkt aus mit betonten Augen. Als Skys Blick die Uhr streifte, packte sie schell zusammen und verabschiedete sich. Total ausgelaugt legte sich Maya ins Bett und schlief sofort ein. Irgendetwas drückte ihr schwer auf der Brust als sie die Augen öffnete, musste sie lachen denn der Familienhund lag auf ihr und leckte ihr über das Gesicht. Sie gab sich geschlafen und stand auf als sie in den Spiegel sah, strahlte ihr ein glückliches Gesicht entgegen. Heute war das Date. Da sich der Spiegel beschlagen hatte, nachdem duschen, zeichnete sie mit der Fingerspitze ein grosses Herz und schrieb beide Namen hinein.

 

Fortsetzung folgt…

17.2.14 23:09

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen